Am Sonntag feierte die neuapostolische Kirchengemeinde Oberndorf den Bezug ihres neuen Gotteshauses mit einem Festakt.
Bischof Urs Heiniger hatte in seiner Ansprache als Vertreter des Bauherrn in von Herzen kommender Weise allen Beteiligten gedankt. Was wäre die schönste Kirche jedoch wert, wenn Jesus nicht in ihrer Mitte wäre? Zunächst war geplant, das 1959 erbaute Gebäude abzureißen und an selber Stelle einen Neubau zu errichten. Stephan Pfäffle von der Abteilung Bau/Unterhalt der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland erklärte, warum man sich lieber für eine Kernsanierung des alten Gebäudes entschieden hatte. Neben dem Grundstückszuschnitt sei auch die Nachhaltigkeit ein wesentlicher Gesichtspunkt gewesen. Ein Neubau hätte in der Ökobilanz 70 Prozent mehr graue Energie benötigt als eine Kernsanierung. Das Oberndorfer Projekt werde künftig Modellcharakter für ähnlich gelagerte Fälle haben. Während die Kirchenverwaltung früher viel lieber abgerissen und neu gebaut habe, werde nun dem Nachhaltigkeitsgedanken mehr Gewicht beigemessen, so Pfäffle.
Für das Architekturbüro Schneider aus St. Georgen im Schwarzwald sprach Sabine Schneider. Es galt, nicht nur Aspekte wie Barrierefreiheit, Brandschutz und Multifunktionalität der Räume zu berücksichtigen. Die Aufgabe sei es gewesen, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Gemeinde wohlfühlen könne. Die verwendeten hellen Materialien in Kombination mit Eichenholz vermittelten nun eine Atmosphäre der Wärme, die nun die Gemeinde mit ihrer Wärme füllen könne. Bürgermeister Matthias Winter wünschte der Gemeinde, dass sie im Gottesdienst genau diese Wärme erfahre. Ihm fiel zum neuen Kirchengebäude das von Udo Jürgens gesungene Lied ein „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. 1959 – vor 66 Jahren – wurde das alte Kirchengebäude eingeweiht. Nun beginne neues Leben in diesem gelungenen Gebäude.
Pfarrer Martin Schwer von der katholischen Kirche zitierte die Vision aus dem Katechismus der Neuapostolischen Kirche: „Eine Kirche, in der sich Menschen wohlfühlen und – vom Heiligen Geist und der Liebe zu Gott erfüllt – ihr Leben nach dem Evangelium Jesu Christi ausrichten und sich so auf sein Wiederkommen und das ewige Leben vorbereiten“. Er sehe das neue Gebäude als Werkzeug und Hilfsmittel, dies zu erreichen. Als Geschenk bekam die Gemeinde von ihm eine Kerze mit der Aufschrift „Komm heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft“.
Die evangelische Pfarrerin Christina Jeremias-Hofius gratulierte der Gemeinde und zeigte sich beeindruckt von der Transparenz des Kirchengebäudes, insbesondere das gläserne Geländer der Empore und das große Schaufenster im Foyer. Sie bezog sich auf Psalm 118 Vers 27 „Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner (= Ecken) des Altars“ und überreichte passend dazu einen Blumen-Gutschein, um den Schmuck zu verwirklichen.
Während der Grußworte war zu spüren, wie alle ihre Gedanken nicht aus Pflichtgefühl oder Anstand vorgetragen haben, sondern aus innerer Überzeugung und sich mit der Gemeinde über das gelungene Gebäude freuen.
Der Mehrgenerationenchor – von Kindern bis zu Senioren – umrahmte den Festakt zwischen den Grußworten mit den voller Begeisterung vorgetragenen Liedern „Sing mit mir ein Halleluja“ (Thomas Eger), Du bist unser Licht (Julia Maier), Jesus will dir heut' begegnen (Ullmann) und Danket dem Herrn (Psalm 118, 1). Mit dem Orgelstück „Dank sei dir Herr“ von Georg Friedrich Händel zeigte der Organist, was in der neuen elektronischen Orgel steckt. Zum Abschluss stimmten alle in das traditionelle Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“ ein. Nach dem Festakt gab's Maultaschen mit Kartoffelsalat sowie Kaffee und Kuchen.