Am Sonntag, 13. September 2026, machte sich die Gemeinde auf den Weg zum Hochgericht zu einem Waldgottesdienst. Der Wald bot weit mehr als nur eine eindrucksvolle Kulisse: Stille, mächtige Bäume und tiefe Wurzeln wurden zu Bildern für den Glauben. Im Mittelpunkt stand die Botschaft, fest im Evangelium Jesu Christi verwurzelt zu bleiben und das empfangene Licht im Alltag weiterzutragen.
Viele der Gläubigen wanderten gemeinsam von der Stadthalle zum Gottesdienstplatz, für betagte Gemeindemitglieder wurden Fahrgemeinschaften angeboten.
Vor Beginn des Gottesdienstes gab es einen emotionalen Einstieg: Anhand einer brennenden Kerze zeigte ein Gemeindemitglied auf, wie sich damit weitere Kerzen entzünden lassen, so dass das Licht weitergegeben werden kann – ein Bild dafür, wie auch der Glaube und die Liebe Gottes von Mensch zu Mensch weitergetragen werden können.
Zum Eingangslied wurde die Gemeinde vom Orchester begleitet. Hirte Uwe Bergmann leitete den Gottesdienst auf Grundlage des Bibelworts aus Apostelgeschichte 5,42: „Und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.“
Zu Beginn seiner Predigt blickte der Gemeindevorsteher auf den Gottesdienst mit Bezirksapostel Martin Rheinberger in der vergangenen Woche zurück und stellte den liebenden Gott in den Mittelpunkt sowie die Gewissheit, dass bei Gott alles möglich ist: Noch zwei Wochen zuvor hatte das Wetter für den Waldgottesdienst wenig vielversprechend ausgesehen – nun durfte die Gemeinde bei guten Bedingungen zusammenkommen. Er richtete Dankesworte an den in den Ruhestand getretenen Priester und an die beiden neu ordinierten Priester. Die Gemeinde bat er, sie in ihrem neuen Dienst zu unterstützen.
„Jeder Gottesdienst ist besonders – doch ein Waldgottesdienst hat seinen ganz eigenen Charakter“, brachte Hirte Bergmann seine Freude zum Ausdruck. Inmitten der Natur werde die Schöpfung Gottes auf besondere Weise sichtbar. Sein Dank galt deshalb auch den vielen Helferinnen und Helfern, die diesen Tag vorbereitet und ermöglicht hatten. Bereits der Waldgottesdienst vor drei Jahren sei auf große Resonanz gestoßen, entsprechend groß war die Freude über die Neuauflage.
Drei Eindrücke aus dem Wald übertrug er auf den Glauben: Die Stille helfe, fern vom Trubel die Verbindung zu Gott zu suchen. Die mächtigen Bäume seien über viele Jahre kontinuierlich gewachsen – ebenso schenke Gott Möglichkeiten, im Glauben zu wachsen. Entscheidend seien dabei tiefe Wurzeln: Selbst schräg oder krumm gewachsene Bäume überstehen Stürme. Wer tief im Evangelium Jesu Christi verwurzelt ist, könne auch bei Zweifeln, Anfechtungen und Schwierigkeiten standhaft bleiben.
In Hinblick auf das Bibelwort machte der Gemeindevorsteher deutlich, dass die ersten Christen ihren Glauben im Tempel und in den Häusern lebten. Auch heute komme die Gemeinde im Gottesdienst zusammen, höre Gottes Wort und empfange Gnade. Danach gehe es zurück in Ehe, Familie, Freundeskreis und Alltag – und gerade dort gelte es, das Evangelium zu leben.
Mit der Aussage aus Römer 1,16 „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht“ erinnerte Hirte Bergmann an Noah, Elia und Daniel. Sie bekannten sich auch unter schwierigen Umständen zu Gott. Ebenso gelte es heute, sich seines Glaubens und auch des Gebets vor anderen nicht zu schämen. Das Evangelium schenke dabei Gestaltungskraft, das Leben nach Gott auszurichten, Widerstandskraft gegenüber der Sünde und Tragkraft für Schwierigkeiten und Belastungen.
Da die Jugendlichen der Gemeinde einen großen Teil zur Vorbereitung des Waldgottesdienstes beigetragen hatten, war es dem Gemeindevorsteher ein Anliegen, einen Predigtbeitrag eines jugendlichen Geistlichen zu hören. Diakon Fabian Unger stellte mit einem Schmunzeln fest, wie ungewohnt es sei, an diesem Ort zu stehen: Noch am Vortag hatte er dort gemeinsam mit anderen Jugendlichen mit der Kettensäge den Altar aufgebaut, nun solle er an dieser Stelle das Wort Gottes weitergeben. Er erinnerte daran, dass der Glaube für die ersten Christen keine Angelegenheit von wenigen Stunden gewesen sei. Sie hätten nicht aufgegeben, selbst unter schwierigsten Bedingungen. Manche Apostel mussten für ihren Glauben sogar ihr Leben lassen. Bezugnehmend auf den Begriff „Tempel“ im Bibelwort erinnerte er daran, wie wertvoll auch das eigene Kirchengebäude sei. Während ein Gottesdienst im Wald spätestens im Winter kaum noch möglich wäre, biete die Kirche ganzjährig einen Ort der Ruhe und der Begegnung mit Gott. Gleichzeitig müsse der Glaube außerhalb der Kirche sichtbar werden. Beim Aufbau hatte ein Spaziergänger gefragt, was dort geschehe. Auf die Antwort „Wir bauen den Altar für Sonntag auf“ folgte ein schlichtes „Cool.“ Gerade jungen Gläubigen falle es manchmal schwer, Freunden zu sagen, dass sie wegen eines Gottesdienstes keine Zeit hätten. Seine Ermutigung lautete: sich nicht schämen, über den eigenen Glauben zu sprechen.
Abschließend griff Hirte Bergmann nochmals das Bild der Kerzen auf. Der Glaube beschränkt sich nicht auf eine Stunde Gottesdienst. Danach geht es hinaus in den Alltag – mit dem Auftrag, das empfangene Licht weiterzutragen und damit neue Lichter zu entzünden.
Nach dem Gottesdienst blieben die Gläubigen noch in fröhlicher Runde zusammen und bedienten sich an der Brezelbar und den selbstgemachten Dips. Viele Gespräche und Begegnungen ließen den besonderen Waldgottesdienst auf dem Hochgericht in geselliger Atmosphäre ausklingen.