Die Weihnachtskonzerte des neuapostolischen Kirchenbezirkes Dornhan/Villingen-Schwenningen sind zwischenzeitlich für viele Konzertbesucher und Mitwirkende fester Bestandteil im Ablauf eines Jahres geworden. Wenn auch zu Beginn der Probenarbeit im September eines jeden Jahres die Konzerte und die Adventszeit noch weit weg scheinen und es zu Anfang Hauptaufgabe der Dirigenten ist, die Aktiven aus den „Sommerferien“ abzuholen, so müssen mit jeder Probe Urlaubserinnerungen dem Advents- und Weihnachtsgedanken in den Herzen aller Beteiligten mehr und mehr Platz machen. Das gemeinsame Ziel vor Augen wird akribisch, aber auch mit viel Vorfreude, auf die beiden Konzertabende hingearbeitet.
Und dann ist es wieder so weit. Ankommen, einander begrüßen, sich noch einmal Mut machen und die Freude teilen. Nach kurzem Einsingen und einem gemeinsamen Gebet wird mit Spannung darauf gewartet, dass sich die große Nebeneingangstür zur ehemaligen Klosterkirche in Oberndorf öffnet und die Musikerinnen und Musiker des Orchesters die voll besetzte Klosterkirche betreten können, um ihre Plätze einzunehmen. Nachdem alle Instrumente gestimmt sind, stehen die Kinder des Kinderchors im Mittelpunkt. Sie haben ihre Plätze in den ersten Reihen der Konzertbesucher und stellen sich nach Aufforderung ihres Dirigenten mutig im Rampenlicht der Bühne auf. Anschließend kommen auch die Sängerinnen und Sänger des Projektchores auf die Bühne und gedämpftes Licht macht deutlich: jetzt beginnt das Konzert.
Mit einem gemeinsam vorgetragenen Weihnachtspotpourri, ein Mix volkstümlicher, bekannter Weihnachtslieder, zusammengestellt von Wolfgang Wöhrle, werden die beiden Konzertabende eröffnet. Hell und ganz ohne Unterstützung der Erwachsenen erklingen die Kinderstimmen bei „Kling Glöckchen...“. „Lasst mich ein…“ singen die Kinder und fordern die Konzertbesucher dazu auf, ganz Herz und Ohr zu sein für das, was kommt.
„Joy to the world“ singen die Männer des Projektchores, begleitet von einer Blechbläsergruppe und lassen die Weihnachtsfreude in die Herzen der Zuhörer einziehen. Auch das von Orchester und Klavier instrumental vorgetragene Lied „Go tell it on the Mountain“ bringt zum Ausdruck: Lass dich nicht aufhalten, erzähle von deiner Freude und deiner Überzeugung, dass Jesus Christus geboren wurde zum Segen und zum Heil für die Welt.
Geheimnisvoll und mit zwei gesummten Takten zu Beginn einer jeden Strophe intoniert der Männerchor das Lied von Paul Gerhardt „Ich steh an deiner Krippen hier“. Sehr gefühlvoll und mit großer Andacht vorgetragen, machen es Musik und Text dieses Liedes möglich, bei sich selbst einzukehren und – wie es in der vierten Strophe zum Ausdruck kommt – den Heiland im Herzen zu tragen.
Mit „We wish you a merry Christmas“, einem traditionell aus England stammenden Musikstück von Richard Ewen, lassen Orchester und Klavier ebenfalls die Erwartung des Weihnachtsfestes aufleben.
Die Kinder des Kinderchores erfreuen ihre Zuhörer mit zwei weiteren frisch und mit hellen Kinderstimmen vorgetragenen Liedern. Sie sind es, die das Thema der Konzerte, die letzten Verse des Matthäusevangeliums „Ich bin bei euch alle Tage…“ im Lied zum Ausdruck bringen und allen Zuhörern bewusst machen, dass Jesus Christus immer zur Seite steht, ganz gleich wie die persönlichen Lebensumstände sind.
Auf ganz neues Terrain wagen sich Kinder und Frauenstimmen des Projektchores mit „Rudolph the red-nosed reindeer / Jingle bells“. Nicht unbedingt ein christliches Weihnachtslied, so doch mit dem vielsagenden Inhalt, keine Vorurteile zu haben und jeden anzunehmen so wie er ist, auch wenn er oder sie der eigenen Vorstellung gerade so gar nicht entspricht.
Zum Mitsingen eingeladen werden die Konzertbesucher mit einem vom Organisten Nico Maurice Schumann gekonnt vorgetragenen Choralvorspiel zum Weihnachtslied „Nun singet und seid froh“ in das alle freudig mit einstimmen.
Das Orchester nimmt die Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem Stück „Fürchte dich nicht“ aus Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy mit auf eine kurze Reise in das Alte Testament. Kraftvoll und sehr lebhaft wird musikalisch die Aufforderung des Herrn an die Konzertbesucher gerichtet, sich nicht zu fürchten. Im Gegensatz dazu setzt sich mit viel Harmonie, leiseren und auch langsamer vorgetragenen Tönen die Gewissheit auf die Hilfe des Herrn zum Ende des vorgetragenen Musikstücks hin durch.
Der Projektchor lässt mit „Weihnacht, strahlende Nacht“ die Überzeugung in den Herzen aller einziehen: du Gottessohn machst alles neu!
Besondere Gefühle löst das vom Frauenchor mit Klavierbegleitung vorgetragene, zu Herzen gehende Lied „Frieden in der Welt“ von Bernd Stallman / Florian Bald aus. In einer Zeit, in der die Medien tagtäglich von so viel Leid, Not und Elend durch Kriege, Terror und Kampfhandlungen berichten, setzt dieses dreistimmige Arrangement einen starken Gegenpol. „Lasst uns alle für den Frieden singen“ erfüllt die ehemalige Klosterkirche, und zwar so lange, „bis unsere Botschaft die Finsternis erhellt“! Darum, so die Botschaft des Liedes, lieber Zuhörer, lasse dich nicht entmutigen dich für den Frieden im eigenen Herzen und auch für dein Gegenüber einzusetzen.
Mit „Locus iste“, der lateinischen Motette für vierstimmigen gemischten Chor A cappella von Anton Bruckner, wird die Größe des Gotteshauses besungen. Der Liedtext heißt übersetzt: „Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm. Ergriffen vom Vortrag bringt eine Besucherin beim Anhören dieses Liedes zum Ausdruck: „So wird im Himmel gesungen“! Ein tolles und wahrhaft echtes Kompliment an alle Akteure.
Mit Nr. 11 d Alla Hornpipe, einem der wohl bekanntesten Musikstücke aus der Wassermusik von Georg Friedrich Händel entführt das Orchester alle Anwesenden für einige Augenblicke zurück an einen schönen, unbeschwerten, freudigen Sommertag. Der Komponist hatte die Wassermusik einst für den englischen König komponiert, der sich für seine sommerlichen Bootsfeste auf der Themse entsprechende Untermalung wünschte. Das anspruchsvolle und temporeiche Stück lässt die mit den Klängen zum Ausdruck gebrachte Freude in die Herzen der Zuhörer überschwappen.
Anschließend gehört alle Aufmerksamkeit dem Jugendchor. Schwungvoll und mit jugendlichem Elan, singen sich die jungen Sängerinnen und Sänger, begleitet vom Klavier, überzeugend und mit ansteckender Begeisterung mit „Walk to Bethlehem“ von Ruth Morris Gray in die Herzen des Publikums.
Bevor mit einigen Schlussworten und einem gemeinsamen Gebet der Hauptteil des Programmes zu Ende geht, bringt der Projektchor, begleitet vom Klavier, ganz besondere Bitten zum Ausdruck. Die Bitte „zeig mir Gott, wie ich mit dir leben kann“, mündet in die Aussage, „Gott als den Vater“ und „sich selbst als Kind“ sehen zu können.
Ein mächtiger Schlusspunkt, an dem noch einmal Kinder, Erwachsene und auch das Orchester mitwirken, wird mit „Herr bleib bei mir“ gesetzt.
Mit viel Applaus und Standing Ovations werden die Akteure für zwei gelungene Konzertabende und zu Herzen gehende Vorträge belohnt.
Mit „Lobe den Herrn meine Seele“ als Zugabe – in dem auch die Kinder noch einmal ihr Können unter Beweis stellen können, machen sich alle auf den Heimweg.
Und noch ein bisschen aus der Schule geplaudert: Schade, dass alles vorüber ist. Die Vorbereitung auf die Konzerte besteht ja nicht nur aus dem Einüben der Lieder oder dem exakten Spielen und Singen der vorgegebenen Töne. Nein, es ist die Freude einander zu begegnen, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, zu proben, besser zu werden und letztendlich mit den Konzerten eine Freude weiterzutragen, die wiederum ins eigene Herz zurückkehrt und sich in den Herzen aller Anwesenden ausbreiten soll.
Freude – Weihnachtsfreude – das wünschen wir!
Schon seit Jahren werden die Konzerte als Benefizkonzerte veranstaltet, um damit die unterschiedlichsten Organisationen zu unterstützen. In diesem Jahr kommen die Spenden der Schule des Lebens Schramberg und der Bürgerstiftung Furtwangen zugute.
Im Konzert am Samstagabend erläuterte Frau Karin Werner von der Schule des Lebens Schramberg die Anliegen und Ziele von Mutpol – Diakonische Jugendhilfe Tuttlingen e.V., die vor allem Kinder und Jugendliche mit emotional-sozial-psychischen Beeinträchtigungen durch lebensnahe Hilfestellung unterstützt.
Am Sonntag stellte Bürgermeister Josef Herdner die Bürgerstiftung Furtwangen vor, die sich ebenfalls um sozial benachteiligte Menschen kümmert und Notsituationen auch mit finanziellen Hilfen kurzfristig überbrücken kann.