Nach mehreren Jubiläumsveranstaltungen in diesem Jahr traf sich die Gemeinde zum offiziellen Festakt. Die renovierte Kirche hätte die Gemeinde und die vielen ehemaligen Oberndorfer, Freunde, Bekannte, Nachbarn und offizielle Vertreter der Öffentlichkeit nicht fassen können. Deshalb mietete die Gemeinde die ehemalige Klosterkirche an, um den Festakt dort durchzuführen.
Die Feierlichkeiten begannen zuerst mit einem Gottesdienst, den Bischof Jochen Hübner leitete. Er predigte über den Bibeltext aus 1. Petrus 1, Verse 8 + 9: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“
Die Gründungsväter der Gemeinde vor 100 Jahren hatten Jesus auch nicht gesehen, wie auch die Erbauer der Klosterkirche nicht. Aber Jesus lässt sich in der Gemeinde erleben. So treffe der vorgelesene Bibeltext voll und ganz auf die Gemeinde Oberndorf zu.
Der anschließende offizielle Festakt begann mit dem eigens für das Jubiläumsjahr komponierten und getexteten Jubiläumssong, den alle Anwesenden mitsingen konnten.
Zum Jubiläumsmotto „Im Wandel der Zeit – im Glauben fest“ stellte Horst Schneider die Chronik der Gemeinde vor und Lisa Gries beschrieb die Glaubensgrundsätze. Aus der Anfangszeit gab es eine heitere Anekdote zu berichten: 1930-1931 hatte die Gemeinde ihren Gottesdienstraum im Hause eines Fotographen in der heutigen Bahnhofstraße. Der Fotograf hängte ein Schild aus: „Jede Aufnahme 5 Mark“. Dies führte zu regem Gesprächsstoff in der Stadt, weil manche das Schild missverstanden. Sie bezogen das Schild nicht auf die Kosten einer Fotoaufnahme, sondern dachten, die Neuapostolischen würden die Menschen mit Geld in die Kirche locken wollen.
Bürgermeister Matthias Winter zitierte in einem Grußwort Dietrich Bonhoeffer: „Der Sinn des Lebens liegt nicht darin, dass wir uns selbst verwirklichen, sondern für andere da sind“. Dies lebe die Gemeinde vor. So wie er auf die Stadt Oberndorf stolz sei, könne die Gemeinde auch auf sich stolz sein.
Pfarrer Martin Schwer von der katholischen Kirchengemeinde nahm Bezug auf Erntedank. Die Gemeinde habe den biblischen Auftrag, Frucht hervorzubringen, erfüllt. Er übergab dem Gemeindevorsteher als Präsent eine gefüllte Tüte mit Äpfeln als Symbol für den Himmel und Erdäpfeln als Symbol für die Erde.
Von der evangelischen Kirchengemeinde betonte Pfarrer Marcel Brenner das verbindende Element aller Christen: alle glauben an den einen Herrn Jesus. Er lobte die Öffnung der Neuapostolischen Kirche zur Ökumene. Dieses Jahr erwarb die Neuapostolische Kirche die Vollmitgliedschaft in der ACK Deutschland.
Bischof Hübner nahm Bezug auf die Glaubensväter als Wegbereiter für die Gemeinde. Aus Sicht der Zukunft betrachtet sind wir heute die, die morgen als Pioniere betrachtet werden. Er rief dazu auf, Pioniere zu sein, um der Gemeinde den Weg in die Zukunft zu bereiten.
Nach dem Festakt bot die Gemeinde einen umfangreichen Imbiss an.