Am Sonntag, 25. Mai 2025 erlebten die Gemeinden Sigmarswangen, Sulz und Wittershausen einen besonderen Gottesdienst mit Apostel Martin Schnaufer. Für die Gemeinde Sigmarswangen war dies der letzte Gottesdienst als eigenständige Gemeinde.
Nach dem Brand im Dezember 2022 bestand lange die Hoffnung, dass das Kirchengebäude in Sigmarswangen wieder aufgebaut würde. Bei einem Gemeindeabend im März 2025 wurde den Gemeindemitgliedern aber schließlich mitgeteilt, dass ein Wiederaufbau aus vielfältigen Gründen nicht mehr durchgeführt wird. Während ein Teil der Gemeinde sich entschloss, zukünftig die Gottesdienste in der Gemeinde Sulz zu besuchen, entschied sich ein anderer Teil dafür, in der Gemeinde Wittershausen eine neue Heimat zu finden.
Apostel Schnaufer diente nun allen drei Gemeinden in der Kirche in Wittershausen mit dem Bibelwort aus Psalm 119, 76: "Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast."
Auf Grundlage des Zitats "Die größten Werke in meinem Leben waren die Brücken, die ich gebaut habe" riet er den beiden "neuen" Gemeinden Sulz und Wittershausen, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, Brücken zu bauen, Unterschiede zu überbrücken anstatt Fehler zu suchen, die Vielfalt der Gläubigen als Reichtum zu nutzen und auf das gemeinsame Ziel der ewigen Gemeinschaft mit Gott hinzuarbeiten. Er führte aus, dass der Rat von Paulus an die Philipper auch für die beiden Gemeinden gelten möge: "Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht" (vgl. Philipper 2,5).
Bezugnehmend auf das Bibelwort erläuterte der Apostel, dass Gottes Gnade dann ein Trost sein kann, wenn man diese richtig bewertet und wertschätzt. Trost kann man auch dann empfangen, wenn sich die äußeren Umstände nicht ändern. Durch Trost kann wieder Mut und Zuversicht entstehen. So erlebten es zum Beispiel die Emmaus Jünger in der Begegnung mit Jesus. Apostel Schnaufer stellte den Gläubigen die Frage: "Wie oft haben wir Gnade erfahren und ist das selbstverständlich?" Gott schenkt uns Gnade durch die Erwählung und das damit verbundene Geschenk des ewigen Lebens bei ihm sowie durch die Vergebung von Sünden.
In seinem Predigtbeitrag führte der stellvertretende Bezirksvorsteher Dieter Winzenried aus, dass eine Gemeinde sich durch den gemeinsamen Blick zum Altar, das gemeinsame Gebet und den gemeinsamen Glauben auszeichnet. In einer Gemeinde ist es darüber hinaus wichtig, sich auch gegenseitig Gnade zu schenken.
Dirk Steinmaier, Vorsteher der Gemeinde Sulz, erläuterte den Kontext des Bibelwortes, in welchem der Psalmist zum Ausdruck bringt, dass er sich an Gott orientiert, seine Allmacht anerkennt und ihm vertraut. Auch wenn Gottes Weg vielleicht ein ganz anderer ist als der, den man sich selbst vorgestellt hat, so kann man rückblickend doch erkennen, dass dieser Weg einen weitergeführt und weitergebracht hat. Hilfreich ist es auch, sich mit dem zu beschäftigen, was man schon alles mit Gott erlebt hat. Bezugnehmend auf das vom Chor eingangs vorgetragene Lied (CM 352) und dem darin enthaltenen Text "zwar sind wir sehr verschieden, an Vielfalt fehlt's da nicht" gab er den Gläubigen den Rat, auch Wert auf die Einheit innerhalb der Gemeinde zu legen.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls wurden die beiden bisherigen Vorsteher der Gemeinden Sigmarswangen und Wittershausen, Evangelist Schumann und Priester Jochen Schäfenacker von ihrer Aufgabe als Vorsteher entlastet. Ein Diakon aus Sigmarswangen empfing das Priesteramt und wirkt künftig in der Gemeinde Wittershausen mit. Für die Gemeinde Wittershausen wurde Bezirksevangelist Dieter Winzenried als Vorsteher beauftragt. Anschließend rief der Apostel alle Amtsträger der "neuen" Gemeinden Sulz und Wittershausen nach vorne, um sie den Gläubigen vorzustellen und bestätigte dabei die Sigmarswanger Amtsträger für die Gemeinden Sulz und Wittershausen.
Vor dem Schlussgebet verlas Evangelist Schumann die Chronik der Gemeinde Sigmarswangen, deren Geschichte mit diesem Gottesdienst endete.
Der Gottesdienst wurde musikalisch von einem gemischten Chor, Orgel und einem Instrumentalstück für Flöte und Violine umrahmt.